Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 6. August 2006

Ludwig van Beethoven

9. Sinfonie

 

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Esslinger Zeitung vom 21.07.2002

Brillanter chorischer Kraftakt in St. Dionys

ESSLINGEN: Vocalensemble und der Philharmonische Chor und Junge Süddeutsche Philharmonie begeistern mit Beethovens "Neunter"Von Rainer Kellmayer

"Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium" - immer wieder klingen im machtvollen Schlusssatz von Ludwig van Beethovens "9. Sinfonie d-Moll" diese Worte aus einer Ode Friedrich Schillers an. Und wenn sich dieses Thema dann mit "Seid umschlungen, Millionen" in einer gewaltigen Doppelfuge überlagert, ist der Höhepunkt von Beethovens sinfonischem Schaffen erreicht.

Um den Freudentaumel und hymnischen Überschwang des Beethoven'schen Spätwerkes zu realisieren, bedarf es eines chorischen Kraftaktes: Der durch seine Taubheit der Musizierpraxis damals schon entfremdete Komponist verlangt von den Choristen beinahe Unmögliches, führt insbesondere Soprane und Tenöre immer wieder in himmlische Höhen. Doch die gewaltige Sängerschar - das Esslinger Vocalensemble und der Philharmonische Chor Esslingen verkündeten bei der Aufführung in St. Dionys Beethovens Credo aus über 200 Kehlen - umschiffte alle Klippen mit Bravour. Die Basis hierfür hatten Hartmut Wolf und Sabine Eberspächer mit einer soliden Vorbereitung ihrer Ensembles gelegt.

Neben dem Chor trugen auch die Gesangssolisten Wesentliches zum Glanz der Aufführung bei. Petra Labitzke (Sopran), Kathrin Koch (Alt), Rüdiger Knöß (Tenor) und der Bassist Sebastian Bollacher sangen ihre Soli mit dramatischer Strahlkraft in den Kirchenraum und überzeugten in den Ensembles mit stimmlicher Ausgewogenheit.

Eine weitere tragende Säule des musikalischen Geschehens war die Junge Süddeutsche Philharmonie Esslingen, die sich gegenüber der Generalprobe - Beethovens "Neunte" wurde in gleicher Besetzung zum Monatsanfang schon in einem Schülerkonzert aufgeführt - um eine ganze Klasse besser präsentierte. Offensichtlich hat Dirigent Andreas Kraft nochmals einige Feilenstriche angesetzt und vorhandene Unebenheiten glatt gebügelt. Denn wie das Orchester aus den nebulösen Tremoli des Beginns das Quintmotiv herausmeißelte, der punktierten Motivik des zweiten Themas Klarheit verlieh und die Reprise mit viriler Energie herausschleuderte, verdient Bewunderung.

Orchesterdisziplin offenbarten auch das rastlos vorwärtsdrängende Scherzo und die herrlich phrasierten Kantilenen im recht zügig genommenen "Adagio molto e cantabile": Hier blühten Streicher und Holzbläser in schwelgerischem Gesang auf. Das Finale meisterte man in bester Abstimmung mit der vokalen Phalanx - eine Apotheose in prachtvollem Orchestergewand, voll überschwänglichen Jubels und begeisternder klanglicher Brillanz.

 

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