Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 6. August 2006

Felix Mendelsohn Bartholdy, Joseph Rheinberger, Hugo Wolf,

Johannes Brahms, Anton Bruckner, John Rutter und

Gioacchino Rossini

Geistliche Abendmusik im Spiegel der Romantik

 

Abendmusik

Esslinger Zeitung vom 12. Mai 2006

Mit zupackender Energie

Esslingen: Philharmonischer Chor bei der Geistlichen Abendmusik in der Frauenkirche

von Rainer Kellmayer

Der Philharmonische Chor ist seit vielen Jahren eine feste Größe im Esslinger Konzertleben. Doch gelegentlich zieht es die Choristen und ihre Dirigentin Sabine Eberspächer in die Ferne: Ende des Monats führt eine Konzertreise das Ensemble nach Potsdam. Dort wird man Gioacchino Rossinis „Petite Messe Solennelle“ aufführen. Da lag es nahe, bei der Geistlichen Abendmusik in der Esslinger Frauenkirche als Generalprobe Teile dieses Werks aufs Programm zu setzen.

Rossini breitet in seinem Opus, das er selbst einmal als „Alterssünde“ bezeichnet haben soll, ein Füllhorn aparter Melodien aus. Zwischen Opern- und Kirchenstil schwankend, sich aber auch erfolgreich in kontrapunktischer Technik übend, schuf Rossini ein Kuriosum: In der Urfassung wird der instrumentale Part getragen vom konzertierenden Klavier und einem Harmonium, welches für die akkordischen Verdichtungen sorgt. Mit Sabine Eberspächer – sie dirigierte vom Flügel aus – und Dieter Aisenbrey (Harmonium) waren hier Routiniers am Werk, die den Chor besser stützten.

Makellose Höhenlagen

Der zeigte sich in guter Form, fand nach zögerlichem Beginn zu Homogenität. Mit zupackender Energie, die etwas zu Lasten der Klangtransparenz ging, sang man das „Cum sancto spiritu“, im „Agnus dei“ fand der Chor mit der Altistin Nicola Lobmüller zum harmonischen Miteinander. Vokaler Höhepunkt war die Sopranarie „O salutaris hostia“. In bester Belcanto-Manier sang Fanie Antonelou die herrlichen Melodiebögen aus, schwang sich zu makelloser Höhenlage empor. Zuvor hatte sie sich schon als veritable Liedsängerin präsentiert. Bei einer Auswahl von Hugo Wolf-Liedern und zwei Trauerliedern aus der Feder Johannes Brahms´ demonstrierte Antonelou ausgefeilte Stimmtechnik mit beherrschtem Vokalausgleich und punktgenauem Resonanzeinsatz. Wie Antonelou wurde auch die Altistin Nicola Lobmüller von Sabine Eberspächer souverän begleitet. In den beiden Brahms-Liedern „Gestillte Sehnsucht“ und „Geistliches Wiegenlied“ verschmolz der sonore Bratschenklang (Ursula Aisenbrey) mit dem weichen, gelegentlich etwas eng temperierten Alt, in idealer Weise. Der Chor setzte besondere Akzente. Bei Mendelssohns „Kyrie eleison“ wagte man sich mutig an die frei emporschwingenden Klangwogen, Josef Rheinbergers Chorsatz „Dein sind die Himmel“ wurde zu einem unmittelbaren Klangerlebnis.

 

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