Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 30. Juli 2006

Fanny Hensel Mendelssohn

Oratorium nach Bildern der Bibel

Felix Mendelssohn Bartholdy

Jauchzet dem Herrn op. 97

Christus

 

Fanny Hensel-3 Kopie

Eßlinger Zeitung vom 29. November 2005

Zarter Klangschmelz

ESSLINGEN: Philharmonischer Chor in der Frauenkirche

Rainer Kellmayer

Man weiß es längst: Wenn der Philharmonische Chor Esslingen in der Frauenkirche konzertiert, erwartet den Besucher ein qualitativ hochwertiges musikalisches Erlebnis, das nicht nur tief berührt, sondern auch nachhaltig inspiriert. Beim Konzert am Abend des vierten Advents ging Dirigentin Sabine Eberspächer neue Wege.

Sie stellte dem Oratorienfragment "Christus" von Felix Mendelssohn-Bartholdy das erst 1984 - mehr als 150 Jahre nach seiner Entstehung - uraufgeführte "Oratorium nach Bildern der Bibel" seiner Schwester Fanny Hensel gegenüber. Anlass hierfür war ein besonderes Jubiläum: Der Geburtstag Fanny Hensels jährt sich in diesem Monat nämlich zum 200. Mal.

Eberspächer beließ es nicht bei der rein musikalischen Deutung. In einer sehr ausführlichen Werkeinführung beleuchtete   sie   Biographisches   der komponierenden Geschwister und stellte anhand klingender Beispiele markante Eckpunkte beider Oratorien heraus.

Große Flexibilität

Zuvor hatte sich der Philharmonische Chor dem A-cappella Satz "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" von Felix Mendelssohn-Bartholdy mit beeindruckender Präsenz und plastischer Klangformung gewidmet. Auf ähnlich hohem Niveau präsentierte sich der Chor im Christusfragment. Zarter Klangschmelz zu Beginn des "Wie schön leuchtet der Morgenstern", stählerne Härte im "Der wird zerschmettern" und eruptive Klanggewalt im "Diesen finden wir" - stets fand der Chor mit großer Flexibilität die dem Notentext angepasste Klangsprache. Unterstüt-zung fand er dabei im Tenor Rüdiger Knöß, der die Handlung in den Rezitativen mit sauber geführter Stim- me und klarer Deklamation vorwärts trieb.

Fantastische Sopranistin

Im "Oratorium" - hier fügte Fanny Hensel Texte des Alten und Neuen Testaments frei zusammen - überzeugte das Solistenquartett mit der fantastischen Sopranistin Ulrike Sonntag, Anneka Ulmer (Alt), dem mit rabenschwarzem Bass singenden Thomas Pfeiffer und einem Rüdiger Knöß, der die extreme Höhenlage der Arie "Ich bin elend" geschmeidig und stimmtechnisch gekonnt meisterte.

Der bestens präparierte Chor bewegte sich in einer Bandbreite von verinnerlichter Zartheit, über affekthafte Momente, hin bis zu festlichem Pomp im "Singet Gott". Dabei verschmolz der Chor mit den instrumental präzise agierenden Süddeutschen Kammersolisten zur Einheit - in ausgewogener Balance und mit einer dynamischen Differenzierung, die Hensels Opus konturenscharf ausleuchtete.

 

 

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