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Im Gegensatz zu den opernhaft angelegten Vertonungen
der Totenmesse durch Giuseppe Verdi und Hector Berlioz verzichtet Gabriel
Fauré in seinem Requiem op. 48 auf eine dramatisierende Darstellung. Er ist
eher ein Meister der leisen Töne. Dass man auch mit einer friedvollen, fast
intimen Klangzeichnung des Todes Spannung erzeugen kann, erfuhr man bei der
Wiedergabe von Faurés Totenmesse durch den Philharmonischen Chor Esslingen
in der Frauenkirche.Faurés Musik, die in die tiefste Seele geht, schien dem
Chor wie auf den Leib geschneidert zu sein. Sabine Eberspächer hatte ihre
Choristen auf den Punkt hin fit gemacht: Die Sängerinnen und Sänger
meisterten die melancholischen Klanglinien bestens und schufen eine
Atmosphäre, in der sich eine transzendal anmutende Stimmung entfaltete.
Dabei hatte der Chor seine stärksten Momente nicht etwa im plakativen Forte
des „Dies illa“, sondern in den zahlreichen sensiblen Passagen, die voller
Spannung dynamisch bis an die Pianissimo-Grenze ausgelotet wurden. Etwas
problematisch erwies sich jedoch der Ersatz der originalen Orchesterbegleitung
durch die Orgel. Bedingt durch die hallige Kirchenakustik und die
Entfernung zwischen Orgel und Chor geriet die vokal-instrumentale Korrespondenz
gelegentlich in Gefahr. Mit klarem und energischem Schlag führte Eberspächer
die Akteure jedoch stets auf die Idealspur zurück. Den solistischen Part
hatte sie jungen Sängern anvertraut, die ihre Rollen gut ausfüllten.
Baritonalen Glanz verströmte Kai Preußker in „Hostias“ und „Libera me“, die
Sopranistin Mirella Hagen ließ ihre helle, im Vibrato etwas eng geführte
Stimme im „Pie Jesu“ engelsgleich von der Orgelempore herab schallen. Zuverlässig
stützte der Organist Johannes Zimmermann das musikalische Geschehen. Auch
in „Pater noster“ aus Franz Liszts Oratorium „Christus“ konnte sich der Chor
über seinen fein registrierten Orgelklängen entfalten. Sauber bewältigte
der Philharmonische Chor die homophonen Partien, überzeugte durch klare Artikulation
und weich abphrasierte Endungen. Da fiel es nur unwesentlich ins Gewicht,
dass die A-cappella-Einschübe in der Intonation etwas abfielen. Strahlenden
Stimmeinsatz bot der Chor eingangs in Felix Mendelssohn Bartholdys
„Sanctus“. Im Altarraum in zwei Chorgruppen aufgestellt, brachte man den
achtstimmigen Doppelchor bestens zur Wirkung, wobei das volltönende Tutti
von packender Intensität war und die leisen Passagen durch geschmeidige
Stimmführung überzeugten. Mit technischer Präzision spielte sich Zimmermann
durch den mit Schwierigkeiten gespickten Parcours von Franz Liszts Variationen
über ein Motiv aus der Bach-Kantate „Weinen, Klagen, Zagen“ und aus dem „
Crucifixus“ der h-Moll Messe. Die vielschichtige Klangzeichnung zwischen
vollem Orgelwerk und den schillernden Farben der meditativen Klangflächen
waren geprägt von einer bestechenden Trennschärfe der Töne: Man hörte
Orgelspiel in absoluter Transparenz.
Akzente der Ruhe setzten Rezitationen von Jürgen
Hammermann. Er schilderte in seinen Lesungen, wie der türkische Literatur-Nobelpreisträger
Orhan Pamuk den Tod seines Vaters durch Erinnerungen an gemeinsame
Erlebnisse verarbeitete, um dann mit einem Text von Robert Schneider den
Bogen zur fesselnden Macht der Musik zu schlagen.
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