Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 4. November 2008

Felix Mendelssohn Bartholdy

Sanctus

Franz Liszt

aus dem Oratorium Christus Nr. 7

Pater noster

als Orgelfassung: Variationen

über ein Motiv (Basso ostinato) aus der Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ und dem „Crucifixus“ der h-moll Messe von J. S. Bach

Gabriel Fauré

Requiem op. 48

 

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Esslinger Zeitung vom 4. November 2008

Stärkste Momente in den sensiblen Passagen

ESSLINGEN:

Philharmonischer Chor führt Faurés Totenmesse in der Frauenkirche auf - Junge Solisten füllen ihre Rollen gut aus

 

Von Rainer Kellmayer

Im Gegensatz zu den opernhaft angelegten Vertonungen der Totenmesse durch Giuseppe Verdi und Hector Berlioz verzichtet Gabriel Fauré in seinem Requiem op. 48 auf eine dramatisierende Darstellung. Er ist eher ein Meister der leisen Töne. Dass man auch mit einer friedvollen, fast intimen Klangzeichnung des Todes Spannung erzeugen kann, erfuhr man bei der Wiedergabe von Faurés Totenmesse durch den Philharmonischen Chor Esslingen in der Frauenkirche.Faurés Musik, die in die tiefste Seele geht, schien dem Chor wie auf den Leib geschneidert zu sein. Sabine Eberspächer hatte ihre Choristen auf den Punkt hin fit gemacht: Die Sängerinnen und Sänger meisterten die melancholischen Klanglinien bestens und schufen eine Atmosphäre, in der sich eine transzendal anmutende Stimmung entfaltete. Dabei hatte der Chor seine stärksten Momente nicht etwa im plakativen Forte des „Dies illa“, sondern in den zahlreichen sensiblen Passagen, die voller Spannung dynamisch bis an die Pianissimo-Grenze ausgelotet wurden. Etwas problematisch erwies sich jedoch der Ersatz der originalen Orchesterbegleitung durch die Orgel. Bedingt durch die hallige Kirchenakustik und die Entfernung zwischen Orgel und Chor geriet die vokal-instrumentale Korrespondenz gelegentlich in Gefahr. Mit klarem und energischem Schlag führte Eberspächer die Akteure jedoch stets auf die Idealspur zurück. Den solistischen Part hatte sie jungen Sängern anvertraut, die ihre Rollen gut ausfüllten. Baritonalen Glanz verströmte Kai Preußker in „Hostias“ und „Libera me“, die Sopranistin Mirella Hagen ließ ihre helle, im Vibrato etwas eng geführte Stimme im „Pie Jesu“ engelsgleich von der Orgelempore herab schallen. Zuverlässig stützte der Organist Johannes Zimmermann das musikalische Geschehen. Auch in „Pater noster“ aus Franz Liszts Oratorium „Christus“ konnte sich der Chor über seinen fein registrierten Orgelklängen entfalten. Sauber bewältigte der Philharmonische Chor die homophonen Partien, überzeugte durch klare Artikulation und weich abphrasierte Endungen. Da fiel es nur unwesentlich ins Gewicht, dass die A-cappella-Einschübe in der Intonation etwas abfielen. Strahlenden Stimmeinsatz bot der Chor eingangs in Felix Mendelssohn Bartholdys „Sanctus“. Im Altarraum in zwei Chorgruppen aufgestellt, brachte man den achtstimmigen Doppelchor bestens zur Wirkung, wobei das volltönende Tutti von packender Intensität war und die leisen Passagen durch geschmeidige Stimmführung überzeugten. Mit technischer Präzision spielte sich Zimmermann durch den mit Schwierigkeiten gespickten Parcours von Franz Liszts Variationen über ein Motiv aus der Bach-Kantate „Weinen, Klagen, Zagen“ und aus dem „ Crucifixus“ der h-Moll Messe. Die vielschichtige Klangzeichnung zwischen vollem Orgelwerk und den schillernden Farben der meditativen Klangflächen waren geprägt von einer bestechenden Trennschärfe der Töne: Man hörte Orgelspiel in absoluter Transparenz.

Akzente der Ruhe setzten Rezitationen von Jürgen Hammermann. Er schilderte in seinen Lesungen, wie der türkische Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk den Tod seines Vaters durch Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse verarbeitete, um dann mit einem Text von Robert Schneider den Bogen zur fesselnden Macht der Musik zu schlagen.

 

 

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