Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 8. August 2006

Joseph Haydn

Die Jahreszeiten

 

Jahreszeiten

Esslinger Zeitung vom 15. Mai 2001:

Idyllische Naturschilderung mit einem flinken Chor

Philharmonischer Chor Esslingen überzeugt mit seiner Aufführung von Haydns “Jahreszeiten” In der Stadthalle.

Ein Bericht von  Markus Dippold

Es muss eine idyllische Zeit gewesen sein um 1800. Der Mensch lebte im Einklang mit der Natur, die jeglichen Lebensrhythmus bestimmte und die Handlungen der Landleute prägte. Joseph Haydns 1801 erstmals aufgeführtes Oratorium ”Die Jahreszeiten” ist eine liebevolle Schilderung dieses Lebens in und mit der Natur.

Nicht nur, dass man Anteil nimmt am Leben der drei Landleute Simon, Hanne und Lukas, der aufmerksame Zuhörer erlebt auch die Natur, hört die Grillen zirpen, die Vögel singen, vernimmt das Murmeln des Baches und ängstigt sich vor dem drohenden Gewitter.

All die kleinen Details des Textes von Gottfried van Swieten finden sich in Haydns Musik kongenial umgesetzt. Eine lebendige und in ihrer Gesamtheit lobenswerte Interpretation erlebte dieses Oratorium am Sonntagabend in der eher mäßig besuchten Esslinger Stadthalle.

Der Philharmonische Chor Esslingen trug bei diesem Konzert am Muttertag ländlich- bäuerische Kleidung und erwies sich als bestens vorbereitetes Ensemble. Unter der schlichten, aber klaren Leitung von Sabine Eberspächer zeigte sich der Chor mit rhythmischer Prägnanz, guter sprachlicher Formung und homogenem Gesamtklang.

Immer wieder bewiesen die Sänger ihre Flexibilität in den teilweise anspruchsvollen, figurierten Chorsätzen. Strahlend und rund, selbst in hohen Lagen, gab der Sopran dem in sich geschlossen und einheitlich wirkenden Klang den nötigen Strahl.

Unterstützt wurde der Esslinger Chor von den Süddeutschen Kammersolisten, die bei dieser Aufführung viel Sensibilität für die Feinheiten dieser Musik bewiesen. Warm und voll war der Klang bereits in der orchestralen Einleitung zum ersten Teil, dem ”Frühling” .

Dem Spiel des sehr engagiert wirkenden Orchesters kam der knappe, aber ungeheuer präzise Schlag Sabine Eberspächers ebenfalls sehr zugute. Überzeugend die Intonation der Bläser. Das Blech wirkte trotz kraftvollem Forte rund und in den Gesamtklang integriert. Eine eigentliche Handlung im Sinne eines dramatischen Geschehens hat dieses weltliche Oratorium nicht. Vielmehr ist es eine Naturschilderung, in der auch die Solisten keine Handlung haben, sondern die Situation reflektieren.

Dorothee Tsalos verkörperte die junge Hanne. Sie bestach mit einer in der Mittellage hervorragenden Stimme, nuancenreich und ausdrucksstark. Lediglich in der Höhe wurde die Stimme eng und flach und verlor ihren sonstigen Glanz. Mit schlankem Bariton gab Markus Lemke einen eher zurückhaltenden, stimmlich sehr angenehmen, wenn gleich von den Schattierungen eher einseitigen Simon.

Dritter im Bunde war der junge Amerikaner Corby Welch in der, was die Zahl der Arien betrifft, vom Komponisten eher vernachlässigten Rolle des Lukas. Und dennoch war Welch der beeindruckendste der drei Solisten. Sein Tenor ist in allen Lagen frei, changiert zwischen schlanker Wärme und kraftvoller Eleganz und strahlt selbst in hohen Lagen.

Eine Besonderheit in dieser insgesamt zu würdigenden Aufführung waren die Auftritte des “Lyrischen Intermettos“. Der Sprecher Marc Aisenbrey unterbrach mehrfach das Geschehen, um mit ausgewählten Gedichten über das eben Gehörte zu reflektieren. Eine nette, gleichwohl unnötige Idee, da die Handlung bei Haydn an sich schon reflektierend angelegt ist und somit das Geschehen nur unnötig in die Länge gezogen wurde. 

 

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