Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 10. Juni 2008

Felix Mendelssohn-Bartholdy

Paulus

 

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Eßlinger Zeitung vom 10. Juni 2008

Strahlende Stimmen

ESSLINGEN: Philharmonischer Chor führt in der Stadtkirche das Oratorium „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy auf

Von Rainer Kellmayer

Eine in sich geschlossene und durchaus überzeugende Version von Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Paulus“ bot der Philharmonische Chor Esslingen in konzertierter Aktion mit den Süddeutschen Kammersolisten und einem hochkarätigen Solistenensemble. Normalerweise ist die Frauenkirche „Stammsitz“ des Chores, diesmal füllte man mit dem hochromantischen Mendelssohn-Opus die Bänke der Esslinger Stadtkirche. Der 1836 beim Niederrheinischen Musikfestival uraufgeführte „Paulus“ erwies sich damit wieder einmal als Publikumsmagnet.

Anspruchsvoller Parcours

Das zweiteilige Oratorium beschreibt den Werdegang vom Saulus zum Paulus. Im ersten Teil wird die Verfolgung der Christen und das Damaskus-Erlebnis der Erscheinung Christi dargestellt, der zweite Teil erzählt von Paulus ' Arbeit als Missionar und den damit verbundenen Gefahren. Den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen, mit dem Vorbild der unbeirrbaren Überzeugung des Apostels Paulus, ist für Mendelssohn Aufruf und Verpflichtung zugleich. Mit dem groß angelegten Lobpreis „Lobe den Herren meine Seele“ endet das Oratorium ebenso glaubensverbunden wie tröstlich. Doch ehe dieses prächtige Finale erklang, hatte der Philharmonische Chor einen anspruchsvollen Parcours zu bewältigen. Vielfältig im Ausdruck trug er die Hauptlast der Aufführung als Kommentator, Choralinterpret und Darsteller des christlichen, jüdischen oder heidnischen Volkes.

Von Sabine Eberspächer bestens eingestellt, bewältigten die Sänger diese Ansprüche im lyrischen und dramatischen Bereich tadellos. Unangestrengte Strahlkraft und hohe Textverständlichkeit bis in die Pianissimo-Passagen hinein waren besondere Pluspunkte. Die Stimmungswechsel wurden ebenso gut gemeistert wie die Crescendowellen, Dramatik und Kontemplation standen spannungsvoll gegenüber. So souverän wie Eberspächer ihren Chor führte, hatte sie auch das Orchester im Griff. Nur beim Beginn des Rezitativs „Da das die Apostel hörten“ gab es eine Schrecksekunde: Eberspächer musste ordentlich rudern, um die aus dem Tritt geratenen Streicher wieder auf die Spur zu bringen. Ansonsten stimmte die Balance der beiden Klangkörper weitgehend, die Instrumentalisten musizierten homogen, und die mannigfachen Klangfarben erstrahlten facettenreich. Immer wieder blitzten herrliche Soli auf, und als die Celli in der Tenorarie „Sei getreu bis in den Tod“ herzzerreißend schluchzten, blieb kein Auge trocken.

Überzeugende Solisten

Die veritablen Gesangssolisten rundeten den guten Gesamteindruck ab. Der Bassist Wolfgang Schöne kam ohne jegliches vordergründiges Pathos aus, beeindruckte um so mehr mit noblem Wohllaut und großer Stimmkultur. Tenor Eric Stokloßa erfüllte das erzählerische Moment seiner Partie ebenso mit Leben, wie er die Ananias-Figur profilierte. Klangsinnig gestaltete Petra Labitzke mit ihrem strahlenden Organ den Sopranpart, und das aparte Timbre der Altistin Anne Greiling ließ immer wieder aufhorchen. Auch der mit einer kleinen Rolle bedachte Bassist Claus Wild fügte sich tadellos in das Ensemble ein.

 

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