Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 8. August 2006

Gioacchino Rossini

Petite Messe Solennelle

 

Solennelle-1

Eßlinger Zeitung vom 18. Mai 2004

 

Mit den Augen dirigiert

Von Jürgen Hartmann

"Kommen Sie, kommen Sie gleich!", fordert der Philharmonische Chor Esslingen die Besucher seiner Homepage auf, und wie überall sind auch hier vor allem die Tenöre Mangelware. Ganz zu überhören war das beim sonntäglichen Konzert mit Gioacchino Rossinis "Petite Messe Solennelle" in der Frauenkirche nicht, aber die Herren schlugen sich tapfer gegenüber den anderen, weit üppiger besetzten Stimmlagen. Die Qualität des Konzerts war indessen geeignet, potenzielle Mitsänger in eine Probe zu locken, denn Leiterin Sabine Eberspächer spornte die rund 50 Damen und Herren zu enormen musikalischem Schwung an.

Rossinis "Petite Messe Solennelle" ist ein Spätwerk. In fortgeschrittenem Alter schrieb der Komponist nur noch vereinzelte Stücke, die angesichts der Fülle des Opernwerks bis heute ein Schattendasein führen. Das hinzugefügte Adjektiv "klein" (petite) ist typisch für Rossinis ironische Bescheidenheit: Die 1863 entstandene Messe ist vollwertige Kirchenmusik, dauert rund 90 Minuten und fordert neben dem Chor vier Gesangssolisten. Nur ein Orchester gibt es - jedenfalls in der Erstfassung - nicht. Klavier und Harmonium reichten Rossini aus. Sabine Eberspächer saß selbst am Flügel, das Harmonium spielte ihr Kollege Dieter Aisenbrey. Für Chor und Solisten war das ungewohnt, denn die Chorleiterin dirigierte auf drei Arten: Nur mit den Augen oder mit Handbewegungen vom Klavier aus, und nur ein einziges Mal am Pult. Petra Labitzke, derzeit am Berner Opernhaus engagiert, führte mit klangschönem Sopran das Solistenquartett an. Solide sangen Rüdiger Knöß (Tenor) und Martin Berner (Bass), der Mezzosopranistin Anne Greiling gelang mit "Agnus Dei" ein lange nachwirkender Abschluss.

 

 

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