Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 6. August 2006

Johannes Brahms

Motette: Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen

4 ernste Gesänge

Maurice Duruflé

Requiem

 

 

Requiem

Esslinger Zeitung vom 13. November 2001

Ausgewogene Balance

Von Rainer Kellmayer

Esslingen - Der im Jahr 1986 verstorbene französische Musiker Maurice Duruflé blieb der Nachwelt vor allem als Orgelvirtuose im Gedächtnis - sein kompositorisches Oeuvre schlummert hingegen noch immer weitgehend im Verborgenen. Neben einigen Orgelwerken gelangt heute gelegentlich noch das 1947 als Auftragskomposition für einen Pariser Verlag geschriebene "Requiem op. 9" zur Aufführung, eine Totenmesse mit ungewöhnlicher Instrumentation, einer ganz eigenen, an die Gregorianik angelehnten Tonsprache und überwiegend düsteren Klangfarben. Durch die enorme dynamische Spannweite, welche alle Extreme voll auslotet, und die ungewöhnliche melodische und harmonische Verarbeitung des Requiem-Textes stellt Duruflé den Vokalisten anspruchsvolle Aufgaben.

Diese meisterte der Philharmonische Chor Esslingen bei der Aufführung in der Frauenkirche mit erstaunlicher Souveränität, wobei die auswendig dirigierende Chorleiterin Sabine Eberspächer für eine stets ausgewogene Balance zwischen dem Orchester (die "Süddeutschen Kammersolisten" setzten Duruflés Klangfarbenspiele gekonnt um) und den Choristen sorgte. Noble Kantabilität ließ die Mezzosopranistin Anne Greiling im "Pie Jesu" von der Empore herab erklingen, bestens sekundiert von Orgel (gespielt von Friedemann Braun) und Solocello.

Baritonale Strahlkraft brachte Wolfgang Schöne in die Aufführung ein mit einer Stimme, die in Johannes Brahms' letzten Liedern, den "Vier ernsten Gesängen op. 121", ihre Qualitäten so richtig entfalten konnte. Auf dem differenzierten orchestralen Klangteppich entwickelte Schöne in den Brahms'schen Kantilenen vokalen Wohllaut, setzte den Sinngehalt des Textes mal fahl färbend, mal mit dramatischer Kraft um und beeindruckte mit seiner angenehmen und tragfähigen Stimme in makellosem Vokal- und Registerausgleich.

Mit der Motette "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen" von Johannes Brahms hatte der Philharmonische Chor in bester A-cappella-Manier das Konzert eröffnet. Hier zeigte sich, dass der hohe Qualitätsstandard, den der Chor unter seinem Gründer und langjährigen Leiter, Helmut Gramlich, erreicht hatte, von Sabine Eberspächer nahtlos weitergeführt wird - man hörte einen geschmeidigen und intonationsreinen Chorklang mit dynamischer Tiefenschärfe und wunderschön abphrasierten Endungen.

 

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