Stationen des Philharmonischen
Chores Esslingen
aktualisiert
am 21. Juni 2011
A cappella Musik
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Eßlinger Zeitung vom 21. Juni 2011 Mit Klangfülle und Expressivität
Ausflug in moderne Klangwelten ESSLINGEN: Philharmonischer Chor reist auf romantischen Wegen nach
Italien Von Rainer Kellmayer
Auf romantischen Wegen nach Italien: Treffend hatte der
Philharmonische Chor Esslingen seine geistliche Abendmusik in der
Frauenkirche überschrieben, diente die Veranstaltung doch zur Vorbereitung
einer bevorstehenden Chorreise nach Udine. In der italienischen Partnerstadt
Esslingens werden die Sängerinnen und Sänger, zusammen mit den dortigen „Juvenes Cantores“ ein Konzert
gestalten, in dem Vokalmusik des 19. Jahrhunderts im Zentrum steht. Doch in Esslingen beschränkte man sich nicht nur auf romantische
A-cappella-Gesänge. Dirigentin Sabine Eberspächer gestattete ihren Choristen
auch Ausflüge in modernde Klangwelten: Eine gute Entscheidung, um der
drohenden Langeweile stilistischen Einerleis zu entgehen. Heikle Klippen umschifft Nach schwungvollem Beginn mit Felix Mendelssohn Bartholdys
„Jauchzet dem Hern alle Welt“ spürte der Chor den
Inhalten der Bruckner Motetten „Os justi“, „Locus iste“ und „Christus factus est“ nach, legte feine
Linienführungen und die tief empfundene Religiosität des Komponisten offen.
Die heiklen Klippen des A-cappella-Gesangs wurden dabei weitgehend sicher
umschifft, nicht ganz entziehen konnte sich der Chor jedoch des Absinkens in
der Intonation. Dafür entschädigte er mit zielgerichteten dynamischen Verläufen,
Modulationsfähigkeit in der klanglichen Formung und klarer
Textverständlichkeit. Eine streng dem Notentext verpflichtete musikalische
Disziplin war auch Markenzeichen der Brahmsmotette „Warum ist das Licht
gegeben dem Mühseligen“, die in einer angenehm gerundeten Interpretation
erklang. Sauber wurden die Einsätze der kanonisch angelegten Komposition getroffen,
differenziert bauten die Choristen die Klangschichten auf und zeichneten die
dynamischen Strukturen klar nach: Es entwickelte sich ein Klang voller Wärme
und romantischem Schmelz. Der langjährige Leiter des Päpstlichen Orchesters der Sixtinischen
Kapelle, Kardinal Domenico Bartoluci, befleißigte
sich in „Regina Coeli“ und „Panis Angelicus“ einer modernen Tonsprache, die den Rahmen der
Tonalität jedoch nie sprengt. Wesentlich mutiger ist da Giuseppe Agostini, der sich in „Pater noster“
zwar auf tonalem Grund bewegt, jedoch dissonante harmonische Durchgänge
keineswegs scheut. Der Philharmonische Chor nahm die dirigentischen
Impulse von Sabine Eberspächer willig auf und wandelte sie in spannungsvolle,
fein ausbalancierte Klänge um. Eindrucksvoller Schlusspunkt Solistische Akzente setzte Claus Wild. Als Chorsänger verfügt er über
eine erstaunlich reife Baritonstimme, die der Arie „Gott sein mir gnädig“ aus
Felix Mendelssohn Bartholdys Paulus-Oratorium
Kontur gab. Von Sabine Eberspächer am Klavier einfühlsam begleitet zeichnete
er „Pro Peccatis“ aus Gioacchino Rossinis „Stabat Mater“ mit opernhaftem Schmelz nach und sang mit
volltöniger Mittellage eine Auswahl aus den Biblischen Liedern von Antonin
Dvorak. Besinnlich klang die geistliche Abendmusik aus. Sauber gestaffelt,
durchsichtig angelegt und mit dynamischer Feinarbeit sang der Philharmonische
Chor zunächst Joseph Rheinbergers „Abendlied“, dann John Rutters
„A Choral Amen“. Diese kurze Klangstudie besteht nur aus einer auf- und
absteigenden Spannungslinie mit dem Wort Amen – ein ebenso schlichter wie
eindrucksvoller Schlusspunkt. |