Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 8. Mai 2007

Joseph Haydn

Die Schöpfung

 

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Esslinger Zeitung vom 8. Mai 2007

Klänge aus dem Paradies

ESSLINGEN:

Philharmonischer Chor führt in der Frauenkirche Haydns „Schöpfung“ auf

von Rainer Kellmayer

„Nie war ich so fromm, als während der Zeit, da ich die Schöpfung schrieb“, soll Joseph Haydn nach der Uraufführung seines ersten Oratoriums im April 1799 gesagt haben. Dass diese herrliche Musik in einem Zustand höchster Inspiration entstanden sein muss, konnten die Zuhörer bei der Aufführung durch den Philharmonischen Chor Esslingen in der vollbesetzten Frauenkirche nachempfinden. Von seiner zweiten Englandreise heimgekehrt und von den grandiosen Oratorien Händels inspiriert, machte sich Haydn ans Werk und schilderte die Schöpfungsgeschichte in einem plakativen musikalischen Bilderbuch. Er arbeitete an dem Projekt bis zur Erschöpfung, und tatsächlich erkrankte der Komponist nach der Uraufführung für längere Zeit.

Beeindruckendes Tongemälde

Doch ihm war ein wahrer Geniestreich gelungen: Neben der eingängigen Melodik überzeugt insbesondere die meisterhafte musikalische Verarbeitung des biblischen Materials. Die von Lidley nach John Miltons religiösem Epos „Paradise lost“ geschriebene Textvorlage setzte Joseph Haydn in ein beeindruckendes Tongemälde um. Von der chaotischen Vision des „Nichts“ in der Einleitung über die Entstehung der Erde und Gestirne, den naiven Lautmalereien, welche die Erschaffung der Kreaturen schildern, bis zum paradiesischen Leben von Adam und Eva wird die Schöpfung der Welt nachgezeichnet. Dabei berührt die geglückte Verbindung von Einfachheit und Erhabenheit in der musikalischen Ausdeutung die Menschen auch heute noch zutiefst.

Die tragenden Rollen sind - repräsentiert durch die Gesangssolisten - den Erzengeln Gabriel, Uriel und Raphael sowie im dritten Teil Adam und Eva zugewiesen. Der mit schlanker, aber leider nicht sehr tragfähiger Tenorstimme agierende Rüdiger Knöß hatte seine stärksten Momente in den Rezitativen. Demgegenüber machte der Bariton Wolfgang Schöne seinen Part zu einem beglückenden Erlebnis. Wie Schöne vokalen Wohllaut verströmte, wie er jeder Silbe eine eigene Färbung gab und wie er seinem markanten Organ in allen Registern Strahlglanz entlockte - all dies zeichnete ihn als profilierten Meister der Stimmbänder aus. Mit ihrem glockenhellen und stets gut geführten Sopran bereicherte Fanie Antonelou das Solistenterzett.

Überzeugende Heerscharen

Chorleiterin Sabine Eberspächer hatte Haydns Partitur nicht nur vor sich auf dem Pult liegen, sondern auch im Kopf abgespeichert. Mit dieser Souveränität konnte sie die musikalischen Fäden ziehen, den Klang aussteuern und ihre Sängerinnen und Sänger zu einer bemerkenswerten Leistung führen. Der Chor füllte seine Rolle als „himmlische Heerscharen“ in den prächtigen Chorpartien mit beachtlichem Stimmvolumen und punktgenauem vokalem Einsatz aus. Nach anfänglichen Präzisionsverlusten im Zusammenspiel fanden die als Orchester fungierenden Süddeutschen Kammersolisten mehr und mehr zur Homogenität, überzeugten durch Transparenz im Streicherklang und herrlich geblasene Partien von Flöten und Soloklarinette.

 

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