Stationen des
Philharmonischen Chores Esslingen
aktualisiert am 17. Dezember 2009
We praise thee, o Lord
Chormusik und Lieder englischer
Komponisten
Mitwirkende: Philharmonischer Chor
Esslingen Rabea Kramp, Sopran Dieter Aisenbrey, Orgel Sabine Eberspächer, Klavier
und Leitung |
Rhythmische Spannung Esslinger Zeitung vom 9. November 2009 Rainer Kellmayer Mehrmals hat Benjamin Britten das „Te Deum“, den
ambrosianischen Lobgesang, vertont. Seine Fassung aus dem Jahr 1944 zur Hundertjahrfeier
der St. Mark’s Church in Swindon hörte man jetzt in der Stunde der Kirchenmusik
in der Evangelischen Stadtkirche. Unter dem Motto „We praise thee, o Lord“
präsentierte der Philharmonische Chor Esslingen einen Längsschnitt durch drei
Jahrhunderte englischer Kirchenmusik. In seinem „Festival Te Deum“ legte Britten die
Chorführung recht einfach an. Das Werk erhält jedoch einen besonderen Touch
durch den Einsatz voneinander völlig unabhängiger Taktarten für den Chor und
die Orgelbegleitung. So entstand eine interessante rhythmische Spannung. Die
von Britten gestellten Klippen umschifften die Choristen sehr achtbar. Ebenso
sicher meisterten sie, geführt vom klaren Dirigat Sabine Eberspächers, die
kühnen harmonischen Durchgänge in Samuel Sebastian Wesleys Psalmvertonung „I
am thine, O save me“. Warum allerdings im eigentlich A-cappella konzipierten
Doppelchor „Coelos ascendit hodie“ von Charles Villiers Stanford die von
Dieter Aisenbrey gespielte Orgel als harmonische Stütze im Hintergrund
mitlief, bleibt das Geheimnis der Dirigentin. Dass der Philharmonische Chor dies gar nicht
nötig hat, zeigte er in Stanfords „Justorum animae“: Hier spielte man
A-cappella-Tugenden wie Intonationssicherheit, Transparenz und Stimmbalance
voll aus. Weitere Zeugnisse einer guten Chorschulung legten die Sängerinnen
und Sänger mit einem Satz von Georg Friedrich Händel und dem zum Abschluss gesungenen
„A Choral Amen“ aus der Feder John Rutters ab. Zuvor hatten zwei Rücken an
Rücken platzierte Chorgruppen in John Taveners „Hymn to the mother of God“
durch zeitversetzte Einsätze einen Klangeffekt von ganz eigenem Reiz erzielt.
Der persönlichen Verbindung zwischen Benjamin Britten und dem Tenor
Peter Pears verdankt die Musikwelt eine Reihe herrlicher Kunstlieder. Aus
diesem Oeuvre hörte man eine Auswahl der „Holy Sonnets of John Donne“ und
drei von Britten bearbeitete Lieder des Barockmeisters Henry Purcell. Auf
weicher, differenziert gefärbter Klavier-Grundierung (Sabine Eberspächer)
ließ die Sopranistin Rabea Kramp ihren gut geführten und angenehm timbrierten
Sopran strahlend aufleuchten. Eine weitere Kostprobe ihrer stimmlichen
Wandlungsfähigkeit gab Kramp in Gustav Holsts „Peace“. ____________________________________________________ Singen 12 – 2009 Schwäbischer Chorverband Manche Stunden dürften gerne doppelt so lange dauern Wolfgang Layer Die „Stunde der Kirchenmusik“ in der Esslinger Ev. Stadtkirche
St. Dionys bietet jeden zweiten Samstag Chor- und Instrumentalkonzerte
unterschiedlicher Art in liturgischer Form. Am 7. November waren es Lieder und
Chormusik englischer Komponisten, die Ausführenden: der Philharmonische
Chor Esslingen unter der Leitung von Sabine
Eberspächer, die Sopranistin Rabea Kramp und Dieter Aisenbrey am
Orgelpositiv. Hauptwerk des Abends war Benjamin Brittens „Festival Te Deum“
op.32. Wer einem Chor eine solche Aufgabe stellt, der nimmt es ernst mit seinem
laienmusikalischen Auftrag. Die bei älteren
Sängern wirklich nicht geliebte englische Sprache und Brittens (für einen Laienchor)
schwere Partitur - das bedarf großer Überzeugungsarbeit, an deren Ende Stolz und
Glück stehen. Der Philharmonische Chor hat mit diesem kurz vor Kriegsende entstandenen Chorwerk eine besondere Visitenkarte
abgeliefert, und sicher auch seine Leiterin. Innovation, der Mut, etwas Neues,
etwas abseits des Weges Liegendes zu bewältigen, geht nicht ohne Vertrauen zwischen
Chor und Chorleiter. Ungewohnte Klänge, für
Laiensänger abstrakte Modulationen - die Schönheit der Musik lässt sich
erst nach vielen Chorproben erfassen. Wenn am Ende die Pianissimo-Bitten des
Chores verklingen („Lass mich nie zu Grunde gehen“) und der Sopran, der einzelne
Mensch, übrigbleibt mit seiner letzten
Bitte, gestützt von dem heiligsten aller
Klänge, dem Dreiklang auf dem heiligen Instrument
Orgel – vergisst man das Atmen, weil
hier etwas anderes geatmet hat: die Musik,
die göttliche. Ein größeres Lob kann man
weder einem Chor noch einer Dirigentin aussprechen. Ohne einen Dieter Aisenbrey an der Orgel wäre das freilich nicht
gut gegangen. Sein Orgelpart, der mit
völlig eigenem Zeitmaß eine „Kreativität der
Langsamkeit“, ja geradezu Entschleunigung gegenüber
den ständigen Tempowechseln im Chor (5/8, 7/8, 4/4, 3/4, 3/8
usw.) zelebriert, hätte dem Rezensenten
schlaflose Nächte bereitet. Ein großes Lob für eine große Leistung an einer
kleinen Orgel. Wie gesagt - das Programm spannte
einen Bogen von Henry Purcell und Georg Friedrich Händel bis zu John
Rutter und John Tavener, brachte romantische Chorperlen aus England, die sicher
keiner gekannt hat, von Charles Villiers
Standford und Samuel Sebastian Wesley. Und
es machte bekannt mit einer jungen begnadeten Sopranistin - Studentin bei Sabine
Eberspächer – von der man in Zukunft noch
hören wird. Als sie abschließend „Peace“ von Gustav Holst (1903) sang, Jugendstil
pur, Musik zum Schweben, Wellness im Schoße des Gottesgeschenks Frieden, wunderbar
platziert nach dem Schlusssegen, da wurde einem schlagartig bewusst:
trotz tausender „Mischmaschkonzerte“ landauf landab - die Komposition von
Programmen ist eine besondere Kunst. Hier konnte man sie lernen. Die
ganze Konzertkritik finden Sie im Weblog des SCV
unter www.singenund-stimme.de WL hier finden Sie das ganze Programm |
|||||
|
Zurück zum Anfang |
|
|||||
Web design Copyright by: winfried.schenke@gmx.de