Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 30. November 2010

Antonio Vivaldi

Gloria in D-Dur

Magnificat

Concerto “Alla Rustica

 

 

 

Sicher erklimmen die Frauenstimmen des Philharmonischen Chors Esslingen die Höhen von Vivaldis Magnificat.Foto: Bulgrin

 

Eßlinger Zeitung vom 30. November 2010

Feierliches Barock

ESSLINGEN: Der Philharmonische Chor Esslingen in der Stunde der Kirchenmusik

Von Markus Dippold

Mit zwei geistlichen Werken Antonio Vivaldis eröffnete der Philharmonische Chor Esslingen die Adventszeit. In der Frauenkirche präsentierten die Sängerinnen und Sänger zwei der bekanntesten liturgischen Kompositionen Vivaldis: sein Gloria D-Dur und das Magnificat. Beide Vertonungen des Venezianers leben von dem kleinteiligen Wechsel affektstarker Sätze. Einem majestätischen Jubelchor folgt eine lyrisch geprägte Arie, eine rhythmisch agile, koloraturgespickte Solo-Nummer geht einem statischen Tutti-Satz voraus. Genau diese starken Charakterwechsel, das ebenso schnelle wie prägnante Sich-Einlassen auf den jeweiligen Affektgehalt gelingt den ambitionierten Laiensängern am Sonntagabend in der gut besuchten Frauenkirche ausgesprochen gut. Stilistisch pflegt die Chorleiterin Sabine Eberspächer vor allem im Gloria eine etwas zu feierliche Lesart, setzt weniger auf den barocktypischen Swing dieser Musik, sondern vertraut dem Überwältigungseffekt der Klangpracht, die zwischen Chor und Orchester fein ausbalanciert ist. Die schlichteren, differenzierteren Momente erlebt man an diesem Abend vor allem in den Solo-Nummern, die im Falle des Gloria den beiden Sopranistinnen Nastasja Docalu und Melanie Schlerf, sowie der Altistin Salome Tendies zugeteilt sind. Jede für sich realisiert die barocken Melodien, das Spiel mit virtuosen Verzierungen und kraftvollem Gestus überzeugend, wenn auch auf sehr eigene Art. Vor allem Docalus flirrender Soubretten-Ton und das warm-volle Timbre von Salome Tendies finden im Gesamtklang selten zusammen.

Fingerfertig und souverän

Homogen im Zusammenspiel gerät das orchestrale Intermezzo dieses Konzerts mit den von Albert Boesen angeführten Musikern. Die interpretieren Vivaldis dreisätziges Concerto alla rustica, das in seiner Struktur dem von Vivaldi entwickelten Ritornellprinzip folgt und dabei vielfältige Klangfarben und technische Brillanz verlangt. Durchaus fingerfertig und souverän realisierten die Streicher die anspruchsvollen, vielleicht etwas mit angezogener Handbremse musizierten Ecksätze. Wie stark die Bezüge zwischen vokalem und instrumentalem Komponieren sind, zeigte sich auch bei Vivaldis Magnificat. Diese Vertonung lebt wie viele barocke Werke vom konzertanten Prinzip in der Musik, dem Wetteifern einzelner Stimmen und Motive, die sich dann zu einem sinnvollen Ganzen fügen. Starke Kontrastierungen, das klare Herauspräparieren musikalischer Motive und der kleinteilige, ausdrucksstarke Temperamentenwechsel sind wesentliche Merkmale dieses Stils. Sabine Eberspächer führt hier ihre Sängerschar zu homogenem und sehr stimmigem Musizieren. Höhensicher klingt der Chor in den Frauenstimmen, prägnant fügen sich die Männerstimmen in das Gesamtbild ein. Auch die solistischen Abschnitte wirken hier überzeugender als im „Gloria“, was dem rundum gelungenen Konzert einen klaren Höhepunkt beschert.

 

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