Stationen des Philharmonischen Chores Esslingen

aktualisiert am 8. August 2006

Johann Sebastian Bach

Weihnachtsoratorium I bis III

 

Weihnachtsoratorium.

Eßlinger Zeitung vom 24. Dezember 2002

Ein klangvoller Klassiker offenbart seine ganz besonderen Reize

ES-INNENSTADT: Sabine Eberspächer dirigiert in der Frauenkirche eine mit viel Beifall bedachte Aufführung des "Weihnachtsoratoriums"

Von Rainer Kellmayer

Wenn sich der Kalender dem Ende zuneigt, wiederholt sich alljährlich dasselbe Szenario: Chöre verschiedenster Couleur versuchen sich mit recht unterschiedlichem Erfolg an der Aufführung von Johann Sebastian Bachs wohl populärstem Werk, dem "Weihnachtsoratorium". Dass in der steten Wiederholung natürlich auch die Gefahr der Abnützung liegt, ist klar. Um derlei Gefahren weiß natürlich auch Sabine Eberspächer, die am Abend des vierten Advents in der Esslinger Frauenkirche die ersten drei Kantaten des von Bach 1734 vollendeten Werkes dirigierte.

Um langweiliger Routine vorzubeugen, setzte sie, zusammen mit ihren Ensembles und den Gesangssolisten, die Frische und Expressivität des Bach'schen Notentextes unvermittelt um, spannte große Bögen, kostete die dynamischen Entwicklungen aus und unterstrich durch zügige Tempi die Fröhlichkeit dieser grandiosen Musik. Der Philharmonische Chor Esslingen folgte ihrem Dirigat präzise und entwickelte mit stimmlicher Ausgewogenheit einen runden, wohltönenden Chorklang. Der Eingangschor " Jauchzet, frohlocket" erklang ebenso in barocker Pracht wie der sehr rasch genommene Chorsatz "Herrscher des Himmels" im dritten Teil. Mitten in die Seele der zahlreichen Zuhörer trafen die innig und mit großen Spannungsbögen angelegten Choräle, die ohne falsches Pathos zu Inseln der Ruhe in der Verkündigung der biblischen Weihnachtsgeschichte wurden.

Das Orchester, die von Konzertmeisterin Constanze Schöne angeführten Süddeutschen Kammersolisten, musizierte intonationssicher und in bestens abgestimmtem Zusammenspiel. Technisch überlegen wurde das rasante Laufwerk der Chorsätze gemeistert, mit wunderbarem, ruhig ausschwingendem 12/8-Rhythmus machte man die Hirtenmusik zu Beginn der zweiten Kantate zu einem Erlebnis. Die Instrumentalsolisten - allen voran Johann Konnerth mit seiner Bachtrompete - spielten in Bestform, die Continuo-Gruppe verlieh den Rezitativen ein harmonisches Fundament.

Durchweg überzeugend präsentierten sich auch die Gesangssolisten. Der Bassist Wolfgang Schöne gestaltete kultiviert und mit souveräner technischer Professionalität. Andreas Weller, der den Part des Evangelisten mit schlanker Stimme und klarer Textdeklamation ausfüllte, lief in "Frohe Hirten, eilet" mit geläufiger Gurgel zu wahrer Hochform auf. Anneka Ulmer bestach in ihren Arien mit volltönender, dunkel gefärbter Altstimme, und Eva Schramm brachte im Duett "Herr, dein Mitleid" in bester Abstimmung mit Wolfgang Schöne ihren hellen Sopran zum Leuchten.

 

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